Chiromantie
Die wichtigste Aufgabe eines Chiromanten ist es, den richtigen Weg aufzuzeigen, um Gefahren in der Partnerschaft und Unglück zu vermeiden, und die Person, der er aus der Hand liest, so vorzubereiten, dass sie den Widrigkeiten des Schicksals gewachsen ist und sich ihnen stellen kann. Wenn wir wissen, welche Zukunft uns in der Liebe erwartet, fällt es leichter, die gesteckten Ziele zu erreichen. Umgangssprachlich nennen wir die Chiromantie Handlesen oder Handdeutung. Doch welche Bedeutung haben die Hände eines Menschen? Wenn wir mit dem Handlesen beginnen, achten wir besonders darauf, ob die Hände weich oder steif sind. Dann beurteilen wir die Größe der Hand im Verhältnis zum ganzen Körper und ordnen sie anschließend einem Typ zu. Mit etwas Übung erkennen wir schon auf den ersten Blick, zu welchem Typ die Hände eines Menschen gehören. Danach wird die Länge der Finger beurteilt. Der Daumen sollte unabhängig von der übrigen Hand betrachtet werden: Wir schauen, wie er angesetzt ist – tief oder hoch –, ob er breit oder schmal ist und so weiter. Dann drehen wir die Hand um und sehen nach, welche Erhebungen auf der Innenseite der Hand deutlich hervortreten. Erst danach betrachten wir die Lebenslinie, die weiteren Linien und die Hügel.
Die Chiromantie zu studieren ist faszinierend, und wer ihre Regeln kennt, dem fällt das Handlesen erstaunlich leicht. Man braucht keine persönlichen Daten – es genügt, die Hand anzusehen. Jede Hand erzählt schließlich eine faszinierende, einzigartige Geschichte. Viele Schlüsse über einen Menschen lassen sich aus den Linien der Handfläche ziehen, aber auch aus der Form von Hand, Fingern und Handgelenk oder aus der Beschaffenheit der Haut.
Bevor wir aus der Hand lesen, ist es dennoch gut, den Vornamen der Person zu kennen, um sie ansprechen zu können, außerdem ihr Alter – so wissen wir, welche der Ereignisse, die wir in der Hand sehen, schon eingetreten sind –, ob sie Rechts- oder Linkshänderin ist und welches Sternzeichen sie hat. Die Chirologie gliedert sich in drei Bereiche: die Chironomie (die Lehre von den Formen der Hände und Finger, den Hügeln und Vertiefungen der Handfläche), die Chirographie (die Linien und Zeichen beschreibt und aus ihrer Deutung auf Grundlage von Erfahrung Schlüsse zieht) und die Chiromantie (die Vorhersage der Zukunft aus den Linien und Zeichen der Hand). Interessant ist, dass die Chirologie aus der Tierkreisastrologie hervorgegangen ist und den menschlichen Charakter anhand dessen deutet, was in die Hand geschrieben steht. Sie gehört zu den am weitesten entwickelten Lehren, die Charaktereigenschaften aus äußeren Zeichen ablesen. Der Charakter eines Menschen spiegelt sich getreu in seiner Hand wider, und die ganze Hand ist ein Teil des untersuchten Ganzen. Nach Ansicht empirischer Forscher „schreibt“ sich die Hand von selbst, ohne Wissen und Willen ihres Besitzers: Seelische Erlebnisse, körperliche Verletzungen, Krankheiten und dergleichen zeichnen charakteristische Linien in die Handfläche. In der rechten Hand, so heißt es, zeigen sich die Erfahrungen und Eigenschaften der Eltern sowie deren Krankheiten. Die linke Hand ist vielfältiger – sie ist die Hand der persönlichen Erlebnisse ihres Besitzers. Die Kunst, aus der Hand zu lesen und ihre Symbolik zu deuten, entwickelt sich ständig weiter. Die Chirologie hat ein eigenes Begriffssystem mit einer Terminologie, die aus der Astrologie stammt. Im Lauf der Zeit wurde das Handlesen zu einem fein ausgearbeiteten System bestimmter Zeichen, die einen Menschen und seine Persönlichkeit weitgehend einordnen.
Wer sich mit den Grundlagen der Chirologie beschäftigt, kann sich einen allgemeinen Überblick aneignen und die wichtigsten Informationen in der Hand mühelos lesen.
Ein erfahrener Chirologe beginnt das Handlesen damit, den ganzen Menschen zu betrachten. Er kennt sein Sternzeichen, seinen Familienstand, seine Bildung und sein Umfeld und achtet auch auf Mimik, Gestik, Ausdrucksweise, die Stärke des Händedrucks und Ähnliches.
Die Geschichte der Chiromantie
Die Chiromantie ist eine seit Langem bekannte Kunst. Schon vor fünfzig Jahrhunderten wurde sie im Osten praktiziert, und besonders hoch geschätzt war sie bei den Griechen. Im Osten ist sie bis heute weit verbreitet, vor allem in Indien, China, Syrien und Ägypten.
Die Regeln der Chiromantie wurden vor vielen Jahrhunderten formuliert, und im Mittelalter schrieben sehr viele Autoren darüber. Eines der ersten gedruckten Bücher war ein deutscher Traktat über die Chiromantie von Johannes Hartlieb (1448).
Die Kunst, die Linien der Hand zu deuten, galt lange als ernsthafter Wissenschaftszweig. Noch im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts gab es an deutschen Universitäten Lehrstühle für Chiromantie. Um das esoterische, psychologische und philosophische Wissen über die Hand zu erschließen, schrieb Christian Schalitz das Buch „Chiromantie und Physiognomie“, das 1703 in Leipzig erschien.
Mit der Zeit zerfiel die Chiromantie in viele unterschiedliche Systeme. Echtes Interesse ging dabei jedoch mit Naivität einher: Im Laufe der Jahrhunderte rankten sich um die Chirologie viele bunte Legenden, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hatten.
Die Anfänge der Chirologie reichen bis in die Antike zurück, als Aristoteles (384–322 v. Chr.) einen Zusammenhang zwischen der Länge der Handlinien und der Lebensdauer vermutete. Eine fleischige Hand, durchzogen von einer oder zwei durchgehenden Linien, hielt er für ein Zeichen von Langlebigkeit. Das war damals keine Wahrsagerei, sondern lediglich eine wissenschaftliche Hypothese – ähnlich wie die Vermutung, dass ein größerer Abstand vom Nabel zum Schritt als vom Nabel zur Brust ein kurzes Leben bedeuten könnte. Das Handlesen war bei den Alten Teil der Physiognomik, die aus dem Bau aller Körperteile Schlüsse auf Gesundheit und Charakter eines Menschen zog.
In der Antike war die Chiromantie nie eine Domäne der Gelehrten. Sie war auch nicht offiziell anerkannt und wurde von den Herrschern nicht gefördert – das Handlesen war eine Art Wahrsagerei für einfache Leute.
Mit der Zeit ermöglichte das umfangreiche Symbolsystem der Astrologie ein kunstvolles Netz von Entsprechungen. Die Methoden der Liniendeutung waren so kompliziert, dass nur Fachleute sie beherrschten. Die Chiromantie wurde zu einer Wissenschaft, einem sehr schwer zu erlernenden Wissen, und so beschäftigten sich einfache Menschen nicht mehr damit.
Im Osten, in China, gibt es ein anderes System des Handlesens. Die Entwicklung der verschiedenen Systeme der Chiromantie vollzog sich stets auf der Ebene theoretischer Grundlagen – und nicht durch Magier, die auf der Straße praktizierten.
Die Chiromantie befasst sich nicht nur mit den Linien der Hand. Ihre wissenschaftliche Spielart betrachtet die ganze Hand und beurteilt Charakter und Schicksal eines Menschen nach Form, Größe, Farbe, Temperatur, Feuchtigkeit und Behaarung der Hand. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Fingern. Aus der Analyse aller Elemente werden Schlüsse gezogen. Die einzelnen Bereiche der Hand sind den sieben Planeten der Astrologie zugeordnet; diese Systematik hat sich seit dem 16. Jahrhundert nicht verändert.
Die Linien der Hand
Wenn du eine Hand untersuchst, siehst du eine gebogene Linie rund um den Daumenballen – das ist die Lebenslinie. Die Linie, die die Hand von einem Punkt nahe dem Ansatz des Zeigefingers bis etwa zur Mitte zwischen dem Ansatz des kleinen Fingers und dem Handgelenk durchquert, ist die Kopflinie, die Linie des Verstandes. Darüber findest du die Herzlinie. Die Linie, die vom Ansatz des Mittelfingers nach unten zum unteren Teil der Lebenslinie verläuft, ist die Schicksalslinie. Fast parallel dazu verläuft die Sonnenlinie. Eine nach innen gewölbte Linie, die nahe dem Ansatz des kleinen Fingers beginnt und nahe dem seitlichen Handrand endet, heißt Intuitionslinie. Über der Herzlinie liegt der Venusgürtel, ein Bogen, der zwischen Zeige- und Mittelfinger beginnt und zwischen Ring- und kleinem Finger endet. Innerhalb des von der Lebenslinie umschlossenen Bereichs verläuft parallel zu ihr eine weitere gebogene Linie, die Marslinie. Die schräge Linie, die ungefähr vom Ansatz des kleinen Fingers zum unteren Teil der Lebenslinie führt, ist die Gesundheitslinie oder Merkurlinie.
Oberhalb ihres oberen Endes liegen kurze waagerechte Linien – die Gefühls- oder Ehelinien.
Die Bedeutung der einzelnen Linien – Lebenslinie: lang, ohne Unterbrechungen und Unregelmäßigkeiten, deutlich gezeichnet – bedeutet ein langes, von Krankheiten freies Leben.
- undeutlich, schwach gezeichnet – zarte Gesundheit, schwache Abwehrkräfte; kurz an beiden Händen – ein unerwarteter Tod; kurz, aber begleitet von einer zweiten, in dieselbe Richtung verlaufenden Linie – bedeutet eine Verlängerung des Lebens.
- doppelte Linie – ein langes Leben; an einer Hand unterbrochen – Tod zu dem Zeitpunkt, der der Unterbrechung entspricht, oder das Überleben eines klinischen Todes.
- kettenförmig – bedeutet zarte Gesundheit, ein stürmisches Leben und einen nervösen Charakter.
- ein Punkt auf der Lebenslinie steht für eine Krankheit oder einen Unfall in dem Alter, das seiner Lage entspricht.
Kopflinie – gerade und quer durch die Hand verlaufend – bedeutet Geschäftssinn, Führungsqualitäten, Ordnungsliebe, manchmal Geiz und Besitzgier.
- gegabeltes Ende – bedeutet Diplomatie, Geschicklichkeit und die Neigung, leicht zu lügen; zum Mondberg hin abfallend – bedeutet üppige Fantasie, künstlerische Begabung und Idealismus.
- bis zum Mondberg reichend – bedeutet Schlauheit, Risikobereitschaft und Besitzgier.
- unter dem Saturnberg abbrechend – ein früher Tod, Störungen der geistigen Entwicklung.
- sich unter dem Saturnberg in zwei Äste teilend – eine schwere Verletzung; am Anfang von der Lebenslinie getrennt, ohne gemeinsamen Punkt – ein Mensch, der wenig Vertrauen weckt, selbstsicher, schnell entschlossen, heftig und verletzend.
- mit der Lebenslinie verbunden – bedeutet Ängstlichkeit; eine Insel auf der Kopflinie – eine gefährliche Kopfverletzung oder eine Gefahr für die psychische Gesundheit; mit zahlreichen Verästelungen – geistige Unterentwicklung oder Kopfschmerzen
Herzlinie, mit der Kopflinie verbunden – eine unglückliche Ehe, Sorgen; fehlende Herzlinie an einer Hand – eine schwere Krankheit, Egoismus
- Glückslinie (Saturnlinie) – vom Handgelenk bis zum Saturnberg reichend, gut gezeichnet, einfach und gerade – Glück und gute Gesundheit; an der Kopflinie abbrechend – Unglück oder Verlust des gesellschaftlichen Status; Beginn an der Lebenslinie – sie hat Anteil an den Eigenschaften der Lebenslinie; Beginn auf dem Mondberg – ein launisches Glück, vielleicht der Protektion eines anderen Menschen zu verdanken; Unterbrechungen oder Querlinien am Ende – auf das Glück folgt Unglück.
- Eine gebrochene, durchkreuzte Linie ist das Zeichen eines Lebens, in dem hin und wieder glückliche Momente aufscheinen.
Die Merkurlinie (Gesundheitslinie)
Sie ist sehr wichtig. Ist sie deutlich und gut ausgeformt, gleicht sie bei Bedarf die Schwächen der Lebenslinie aus und verheißt ein langes Leben trotz ungünstigen Verlaufs der Lebenslinie. Sehr kräftig gefärbt – Brutalität oder Stolz; gelblich – Neigung zu Lebererkrankungen; bildet sie mit der Kopflinie ein Dreieck im Marsbereich – Talent für magische Praktiken.
