Nostradamus kennen wir vor allem durch seine Prophezeiungen, die ebenso viel Sensation wie Schrecken auslösen. Genauer gesagt: Schrecken und Sensation, die meist von Leuten produziert werden, die weder von Astrologie noch von Präkognition noch vom Leben des großen Visionärs und Arztes eine ernsthafte Vorstellung haben, dafür aber die Gesetze des Kommerzes bestens beherrschen. So zurechtgemachte Werke des Michel de Notre-Dame sind natürlich wenig wert – doch wer bei klarem Verstand ist, erwartet von bunten Büchern mit reißerischen Titeln wie „Der Prophet der Apokalypse“ ohnehin nicht mehr, als einen Sommernachmittag zu füllen. Die tatsächlichen – und keineswegs geringen! – Leistungen des Nostradamus bleiben nur wenigen „Eingeweihten“ zugänglich, die in sicherer Entfernung von der auf Millionengeschäfte ausgerichteten Maschinerie bezahlter Sensationen arbeiten.
Eine dieser im Alltag unbemerkten Botschaften möchte ich hier zu entschlüsseln versuchen – für alle, die den Veranstaltern der Reihe „Apokalypse 2000?“ ihr Vertrauen geschenkt haben. Mithilfe des Horoskops des Sehers von Salon finden wir nicht nur viele verborgene Einzelheiten der „Centurien“, sondern auch den Sinn seiner Botschaft als Ganzes.
Hier ist das Horoskop des Nostradamus:
Die Positionen der Planeten, die erst lange nach dem Tod des Nostradamus entdeckt wurden – Uranus, Neptun und Pluto –, berücksichtigen wir nicht, denn zu seiner Zeit waren sie unbekannt. Man kann davon ausgehen, dass die Kräfte, für die diese Planeten stehen, der damaligen Menschheit noch nicht zugänglich waren.
Wir verfügen hier über recht genaue Daten: 14. Dezember 1503, 12:00 Uhr, Saint-Rémy in der Provence. Diese Angaben stammen von Nostradamus selbst, und das danach berechnete und gedeutete Horoskop passt ziemlich gut zu dem, was wir über das Leben seines Eigners wissen: Man erkennt das Zeug zum Humanisten und Arzt, eine stürmische Jugend, Wissensdurst, hohe Intelligenz, zwei Ehen – die erste eine große Liebe, die zweite eine vernünftige Entscheidung reifer Jahre … und weitere biografische Tatsachen. Eines aber findet sich hier nicht: weder ein Prophet noch ein Hellseher. Natürlich kann man, wie es in der Astrologie oft geschieht, zweitrangige Faktoren heranziehen – Halbsummen, arabische Punkte, sensitive Punkte … – und irgendetwas lässt sich immer an bereits bekannte Tatsachen anpassen. Hätte man uns jedoch nicht gesagt, dass dies das Horoskop eines großen Mannes ist, und wüssten wir über ihn nur, dass er ein außergewöhnlich intelligenter und wissbegieriger Nachfahre getaufter Juden war – den künftigen Nostradamus würden wir darin selbst mit den feinsten Methoden der Renaissance-Astrologie kaum entdecken.
Die Deutung des Nostradamus-Horoskops verlangt ein größeres und umfassenderes Wissen als das Herumtüfteln an Deutungsregeln.
Eines der allgemeinsten Gesetze der Esoterik besagt: Alles, was fällt, wird sich wieder erheben, und alles, was den Gipfel seiner Manifestation erreicht hat, beginnt zu fallen. Wir kennen es als das Gesetz des Wandels. Im Horoskop des Nostradamus befinden sich zwei Planeten am Tiefpunkt ihres Falls: Mars und Saturn. Nach astrologischer Überlieferung sind das Zeichen Krebs und das IV. Haus für Saturn der Ort des Exils, an dem seine Wirkung gedämpft ist, und für Mars der Ort des Falls – eine ebenso schwache Stellung wie das Exil. Der dritte interessante Planet im Krebs und im IV. Haus ist Jupiter. Für ihn ist das eine außergewöhnlich starke Position: Im Krebs und im IV. Haus steht Jupiter in seiner Erhöhung.
Bevor wir mit der astrologischen Analyse fortfahren, werfen wir einen kurzen Blick auf die Symbolik dieser Planeten. Mars wurde in der Astrologie seit jeher das „kleine Unglück“ genannt. Mit dem Planeten, der den Namen des mythischen Kriegsgottes trägt, verband man Kriege, Dürren, plötzliche Todesfälle, Verletzungen, Brände und Verkehrsunfälle. Ein starker Mars im Horoskop eines Menschen kennzeichnete einen aggressiven und grausamen Krieger; im Horoskop eines Ereignisses kündigte er plötzliche und unglückliche Geschehnisse an.
Saturn, das „große Unglück“, war der Planet langwieriger Leiden, schmerzhafter Buße, eines schweren Schicksals, chronischer Krankheiten, der Armut und der Qualen jenseits menschlicher Belastbarkeit. Er konnte auch der Planet der Macht und Stärke sein – vergänglich wie alles Weltliche. Saturn mahnt stets an die Unerbittlichkeit der Zeit, die Nichtigkeit irdischer Dinge und die Unausweichlichkeit der Vergänglichkeit.
Jupiter hingegen hieß das „große Glück“: Er verhieß Erfolg in allen Dingen, Ruhm, Macht, Herrschaft, Weisheit und den wohlwollenden Schutz der Götter. Jupiterhoroskope versprachen die Gunst Fortunas auf Schritt und Tritt.
Und das ist die Aussage des Nostradamus-Horoskops! Die Übeltäter Mars und Saturn sind darin schwach und erniedrigt. Der Wohltäter Jupiter steht auf dem Höhepunkt seiner Kraft. Und das Horoskop zeigt das Jahr 1503, also den Beginn der Blütezeit der Renaissance in Europa. Eine bessere astrologische Darstellung des Welterlebens der Renaissance kann man sich kaum wünschen.
Zugleich ist das Horoskop des Nostradamus das Horoskop einer ganzen historischen Epoche. Denn nach dem Gesetz des Wandels wird Jupiter sinken, Saturn und Mars dagegen werden steigen. Und wir wissen aus der Geschichte, dass noch zu Lebzeiten des Nostradamus blutige Religions- und Machtkriege entbrannten, neben denen die Botschaft des Humanismus nur eine schöne Legende blieb.
Die Renaissance war ein Moment wunderbaren Gleichgewichts zwischen dem antiken heidnischen Weltbild voller Daseinsfreude und Liebe zu allem Irdischen und Materiellen und dem Christentum, das an die Vergänglichkeit alles Zeitlichen erinnerte. Und zwar eines Gleichgewichts, in dem kein Element verloren ging oder überzeichnet wurde. Es war eine Zeit, in der Gott den Menschen und ihrem Treiben wohlwollend zusah und jeder, der die Vollkommenheit der Schöpfung zu erkennen vermochte, die Augen zum Himmel erhob und dort den lächelnden Gott sah. Wer in dem offenen Buch zu lesen verstand, das die Natur für den Menschen der Renaissance war, wusste sich der Erlösung gewiss, denn die Naturphilosophie der Renaissance lehrte, dass Gottes Gesetze für die erkennbare Welt der Natur ebenso gelten wie für die unergründlichen Tiefen des Himmels. So verband das Gesetz des Hermes Trismegistos „Wie oben, so unten“ harmonisch und schön Gott, Mensch und Natur.
In dieser Atmosphäre wuchs Nostradamus auf. Von seinen Lehrern für Latein und Griechisch begeistert, mit Kultur und Mythologie der Antike bestens vertraut und zudem mit einem ungewöhnlichen naturforschenden Verstand begabt, fand der Junge schnell Anschluss an die Welt der Renaissance-Humanisten (viele von ihnen lernte er persönlich kennen, mit anderen stand er im Briefwechsel); er kannte die Werke der größten damals geschätzten Denker: Avicenna, Paracelsus, Ibn Esra … Wahrscheinlich kannte er auch die Lehre des Kopernikus, die dieser halb öffentlich in seinem berühmten, per Brief im ganzen humanistischen Europa verbreiteten „Commentariolus“ von 1508 verkündet hatte.
So also manifestierte sich Jupiter im Horoskop des Nostradamus. Doch vergessen wir nicht: Nach dieser Manifestation tritt Jupiter in den Schatten und macht Saturn und Mars Platz. Daher die Prophezeiungen des Nostradamus, eine düsterer als die andere; daher auch das Leben des Sehers selbst, dem die Inquisition ständig auf den Fersen war. Selbst ohne den komplizierten, bis heute nicht entschlüsselten Code zu verstehen, mit dem Nostradamus seine „Centurien“ schützte, lässt sich die Richtung der Entwicklung ableiten: von Jupiter zu Mars und Saturn, von der Freude des Humanisten zum Fanatismus des Inquisitors.
Musste es so kommen? Hat Nostradamus sicher g e w u s s t, dass die Ereignisse nach ihm eine so verhängnisvolle Richtung nehmen würden? – Das können wir nicht mit Gewissheit behaupten. Wir können aber erneut die Astrologie heranziehen, um Werk und Leben des Sehers von Salon besser zu verstehen. Dafür braucht es allerdings eine Astrologie auf einer tieferen und edleren Ebene als die populären Darstellungen. Diese Astrologie – nennen wir sie die spirituelle – verkündet den berühmten Satz: „Die Sterne beherrschen den Toren, der Weise beherrscht die Sterne.“ Für den vergeistigten Weisen ist Saturn zwar eine große Prüfung von Charakter und Willen, doch wer sie besteht, findet den legendären Stein der Weisen und erlangt die Herrschaft über die geheimsten und bestgehüteten Geheimnisse Gottes und des Universums; Mars ist zwar eine schwer zu zügelnde und zu beherrschende Energie, aber auch Tapferkeit, Ritterlichkeit, Rechtschaffenheit, übermenschliche Kräfte und große Willensstärke. Um die planetaren Übeltäter jedoch zu bändigen und zu Dienern des Menschen zu machen, muss der Mensch von entsprechender Qualität sein.
Waren die Zeitgenossen des Nostradamus von solcher Qualität? – Nach seinem Lebenslauf und der Aussage seines Werkes zu urteilen: entschieden nicht. Und denken wir daran, dass die Renaissance eine Zeit großer, für die europäische Kultur folgenreicher Entscheidungen war. Wenn also am Beginn einer neuen kulturellen Epoche nicht diejenigen die Macht innehaben und die Köpfe prägen, die am meisten dazu berufen wären – die Humanisten der Renaissance, Menschen von großem Geist, großem Wissen und großer Bildung –, sondern Leute wie die Könige aus dem Haus Valois oder die Borgia; wenn anstelle des ersehnten neuen Christentums, frei von der Angst des „Memento mori“ und erfüllt von der Freude der Frohen Botschaft, primitive und fanatische Priester blutige Kämpfe um den „einzig wahren“ Glauben entfesseln – dann ist es kein Wunder, dass Nostradamus Pessimist war. Und dass er aus seinen prophetischen Visionen das düsterste mögliche Szenario auswählte und öffentlich machte.
Eine der großen Wahrheiten über Orakel und Prophezeiungen lautet: Schlimme Prophezeiungen werden ausgesprochen, damit sie sich nicht erfüllen. Nach diesem Gesetz ist jede Prophezeiung des Nostradamus eher eine Warnung als eine reale Bedrohung. Doch wenn die Menschen blind und taub sind … nun ja, dann findet jede „Titanic“ ihren Eisberg. Dann verfolgt man mit fiebrig geröteten Wangen und ungesunder Gier katastrophale Vorhersagen und freut sich, wenn sie eintreffen! Wir aber wollen – eingedenk der Regeln der Divination ebenso wie des Sinns des Humanismus – das Werk des Nostradamus mit den Augen seines Schöpfers betrachten: als große Botschaft, die die Götter uns Sterblichen durch ihren Liebling gegeben haben. Jedes genannte Datum ist also eher ein Moment der großen Entscheidung, eine Gelegenheit zur Besinnung, als eine Sensation für die kreischende Presse.
Dazu nutzen wir eine in der Astrologie sehr beliebte und häufig zur Zukunftsdeutung eingesetzte Technik: die sogenannten Sekundärprogressionen. Sie beruhen auf einer eigentümlichen Dehnung der Zeit: Ein Tag im Horoskop entspricht einem Jahr in der realen Welt. Wir verfolgen natürlich die für das ganze Horoskop wichtigsten Planeten: Mars, Jupiter und Saturn. Wichtig sind für uns die Winkelabstände dieser Planeten (in der Astrologie Aspekte genannt) zu ihrer Stellung im Geburtshoroskop des Nostradamus. Es sind Abstände, die sich aus der Teilung des Kreises in 30°-Schritte ergeben, also der Länge eines Tierkreiszeichens: 60° – Sextil, 90° – Quadrat, 120° – Trigon und 180° – Opposition. Jeder dieser Aspekte hat seine Bedeutung: Das Sextil deutet eine Handlungsmöglichkeit an, das Quadrat eine unkontrollierte Entladung zuvor in Gang gesetzter Kräfte, das Trigon eine Zeit der Besinnung und möglicher Kurskorrekturen, die Opposition Ereignisse und Entscheidungen, die über das Gelingen des ganzen Zyklus bestimmen. Ebenso wichtig ist der Durchgang durch die Eckpunkte des Horoskops: Aszendent, Medium Coeli, Deszendent und Imum Coeli. Für unsere Betrachtung ist der Durchgang durch das Medium Coeli am bedeutsamsten. Während dieser Progression werden bisher verborgene oder unwirkliche Inhalte greifbar und real.
Das progressive Sextil des Mars fällt im Horoskop des Nostradamus auf das Jahr 1720.
Was in diesem Jahr geschah, rief Voltaire in Erinnerung, als er vom „Schauspiel“ schrieb, „das die russische Kaiserin und der polnische König der Welt boten“. Die geradezu farcenhafte Inthronisierung des Geliebten der Zarin zum entmündigten König eines bis ins Mark demoralisierten Landes mitten in Europa ist wahrhaftig deutlich genug, um wenigstens zu versuchen, etwas zu begreifen. Doch Europa wollte nicht begreifen, es wollte herrschen. Kein Wunder also, dass das Trigon von Mars zu Mars im Horoskop des Nostradamus auf nichts anderes als das Jahr 1812 fällt:
Oh, jenes Jahr! … Wäre Napoleon nicht so verblendet gewesen, wäre da nicht der grenzenlose Hochmut dieses selbst ernannten Kaisers – sähe die Landkarte Europas heute vielleicht anders aus? Denn das Trigon ist eine Zeit der Besinnung – und genau die fehlte Napoleon ganz offensichtlich. Dieses Datum gilt allgemein als Beginn der europäischen Aufklärung und des Triumphs der Vernunft über den Glauben. Ein wichtiger Moment, denn er gibt die Richtung des europäischen Denkens vor, die bis heute gilt. Auf die Manifestation der Quadratphase musste man nicht lange warten – hier das progressive Horoskop des Nostradamus für das Jahr 1763, als Mars ein progressives Quadrat zu seiner eigenen Geburtsposition bildet:
Den für den gesamten Zyklus überaus wichtigen Durchgang durch das Medium Coeli vollzog der progressive Mars im Jahr 1872. Und das war ein besonderes Jahr – die Karten auf der politischen, militärischen und gesellschaftlichen Bühne Europas wurden neu verteilt.
Erinnern wir uns: Telegraf und Telefon gibt es bereits; auf den Schlachtfeldern des Deutsch-Französischen Krieges werden moderne Waffen erprobt, ähnlich denen, die im 20. Jahrhundert zum Einsatz kommen werden; das Gespenst des Kommunismus wird real: Die Pariser Kommune ist im Gange … Das also ist aus Träumen und Visionen Wirklichkeit geworden! Kann man sich da über die katastrophische Stimmung der „Centurien“ wundern, die mit genau diesem Zeitraum in Verbindung gebracht werden?
Die für den ganzen Zyklus entscheidende Opposition fällt auf das Jahr 1890. Die ersten großen Schlachtschiffe – die Dreadnoughts – laufen vom Stapel; das erbitterte Wettrüsten zwischen Deutschland, England, Frankreich und Italien läuft auf Hochtouren; der Imperialismus blüht, und vor der Tür stehen das Jahr 1905 und der Weltkrieg … Das ist die Entscheidung, die in der für den ganzen Zyklus maßgeblichen Oppositionsphase getroffen wurde! Und das sind auch jene „Centurien“, in denen Forscher Visionen technikgestützter Totalitarismen und von Flugzeugen sehen, die Bomben auf wehrlose Zivilisten werfen.
Das zweite Trigon – die zweite Gelegenheit zur Besinnung – finden wir im verrückten Jahr 1968. Hier sieht es schon besser aus: 1968 steht für die Kultur der „Blumenkinder“, die zwar heute völlig degeneriert ist, aber doch den Anstoß gab, nach einem anderen als dem aufklärerischen Entwicklungsweg der Menschheit zu suchen.
Das nächste Quadrat fällt auf das Jahr 2005, für das nach Ansicht der „Centurien“-Forscher ein großer Krieg vorhergesagt ist.
Ein solches Ereignis ist leider nicht unwahrscheinlich. Die Symbolik des Quadrats als Zeit unkontrollierter Entladungen passt recht gut zu den Kriegsprophezeiungen. Konfliktherde gibt es bereits: etwa der reiche Norden gegen den armen Süden. Und auch an Anwärtern auf die Rolle des „Retters der Menschheit“ vom Schlage eines Khomeini oder Saddam Hussein herrscht kein Mangel – und sie genießen beachtliche Unterstützung.
Und was ist mit der Botschaft des Humanisten? Hat Nostradamus sie versteckt oder weggelassen? Wohl kaum. Denn der Marszyklus endet genau im Jahr 2005. Und es gibt ja noch die Zyklen der übrigen für das Horoskop wichtigen Planeten: Jupiter und Saturn. Doch das liegt in weiter Ferne: Das progressive Sextil des Jupiter tritt im Horoskop des Nostradamus im Jahr 2170 ein. Das progressive Quadrat – die Manifestation der humanistischen Inhalte des Jupiter – um das Jahr 2700. Die „Centurien“-Forscher behaupten, Nostradamus habe den Beginn des Wassermannzeitalters, das als Zeit allgemeiner Brüderlichkeit ersehnt wird, auf die Mitte des dritten Jahrtausends gelegt. Und seine Prophezeiung führte er bis ins Jahr 4000, wenn in seinem Horoskop Saturn ein progressives Quadrat bildet – der Herr der Vergänglichkeit und vielleicht auch des Endes der Geschichte überhaupt.
Auf ein baldiges Zeitalter seliger Glückseligkeit dürfen wir also kaum hoffen. Näher als die fernen, astrologisch berechneten Termine liegen uns die aktuellen Probleme: Umweltzerstörung, Überbevölkerung, wachsende Ungleichheit, immer größere Armut … Hier helfen uns die Planeten nicht. Hier müssten die Menschen selbst zu Weisen werden, denen auch die Urteile des Schicksals keine Angst machen.
So sieht – natürlich stark verkürzt – die Deutung des Nostradamus-Horoskops aus der Sicht eines Humanisten aus. Der Seher von Salon, oder vielmehr die Kräfte, die durch ihn sprachen, stellen uns demnach enorme Anforderungen. Werden wir ihnen gerecht? Werden wir als Menschheit reif genug, die Sterne zu beherrschen – oder richten wir uns selbst zugrunde, im Takt immer neuer Prophezeiungen, die man uns vorliest?
