Der Andreasabend (polnisch „andrzejki“) ist ein Abend, der dem heiligen Apostel Andreas gewidmet ist. In Schottland, dessen Schutzpatron der heilige Andreas ist, wird sein Tag besonders ausgelassen gefeiert. In Polen befragt man am Vorabend seines Gedenktags oder am Tag selbst – je nach regionaler Tradition – die Zukunft mit Wachs und anderen Gegenständen. Am beliebtesten sind Liebes- beziehungsweise Heiratsorakel.
Wer war der heilige Andreas?
Der heilige Andreas war der Bruder des heiligen Petrus und ein Jünger Johannes des Täufers. Er wirkte als Missionar und starb den Märtyrertod – der Überlieferung nach wurde er in Patras auf der Peloponnes gekreuzigt; sein Gedenktag ist der 30. November. Das Kreuz, an dem er starb, hatte die Form des Buchstabens X. Daher stammt der Name Andreaskreuz, das man zum Beispiel von der Kennzeichnung von Bahnübergängen kennt. Der heilige Andreas ist der Schutzpatron Schottlands und Russlands.
Orakel am Andreasabend
Das Wahrsagen am Andreasabend sollte vor allem verraten, wie es um die künftige Heirat stand. Das bekannteste Orakel ist das Gießen von heißem Wachs durch ein Schlüsselloch in Wasser. Die erstarrte Figur wird so aufgestellt, dass sie einen Schatten an die Wand wirft, und aus der Form dieses Schattens liest man die Zukunft der Person, die das Orakel befragt.
Zu den traditionellen Andreasorakeln gehören unter anderem:
- Orakel mit Wachs,
- Orakel mit Schuhen,
- Orakel mit Zetteln,
- Orakel mit Obst- und Kartoffelschalen,
- Orakel mit Tellern,
- Orakel mit Bechern,
- Orakel mit Würfeln,
- Orakel mit Stecknadeln,
- Orakel mit Blumen.
Alter Liebesaberglaube
Mit der Liebe sind nicht nur die Andreasorakel verbunden, sondern auch eine ganze Sammlung volkstümlicher Aberglauben. Heute nimmt man sie eher mit einem Augenzwinkern, doch sie zeigen schön, wie unsere Vorfahren versuchten, sich das Glück in der Liebe zu sichern.
Verabredungen und Liebesgeständnisse
- Nach altem slawischem Glauben waren grüne, mit Blumen und Heidekraut bewachsene Hügel, durch die sich Bäche schlängeln, der beste Ort für Liebestreffen.
- Ein Mädchen küsst man am besten bei Neumond – das soll baldige Liebeserklärungen und ein wachsendes Gefühl ankündigen.
- Zu Verabredungen sollte man nicht an Orte gehen, wo es steile Ufer, Täler und Wegkreuzungen gibt.
- An dem Tag, an dem der erste Schnee fällt, sollte man keine Liebe gestehen – das Gefühl schmilzt sonst so schnell wie dieser Schnee.
- Auf der Treppe sollte man sich nicht umarmen oder aneinanderschmiegen, denn das kündigt das Ende der Beziehung an.
Verlobung und Geschenke
- Einen Heiratsantrag macht man am besten am Freitagabend, die Verlobung verkündet man am Samstag.
- Schenkst du deiner Partnerin ein Taschentuch, kündigt das eine baldige Trennung an.
- Ein Geschenk wie eine Brosche oder ein Schmuckstück, das sticht, kann Leid in die Beziehung bringen. Das lässt sich abwenden, indem man mit dem Geschenk ganz leicht in den Finger der beschenkten Person sticht.
- Ein Schal, ein Halstuch oder eine Stola sollen die Beziehung stärker und sicherer machen.
- Bücher und Handschuhe verschenkt man nicht, weil sie eine Beziehungskrise ankündigen. Um diesen Bann bei der Übergabe eines Buchs zu brechen, genügt der Satz: „Ich leihe es dir auf ewig und ohne Rückgabe.“
Briefe vom geliebten Menschen
- Einen Brief an die Liebste oder den Liebsten schreibt man am besten in Blau, denn diese Farbe ist Verliebten gewogen. Niemals sollte man ihn mit Bleistift schreiben.
- Briefe und Nachrichten vom geliebten Menschen darf man anderen nicht zeigen.
- Wenn du ans Ende eines Briefs Herzchen oder Küsschen malst, sollten es drei sein – auf keinen Fall vier, sieben oder dreizehn.
Zeichen, die Liebe und Hochzeit ankündigen
- Es heißt, wenn man Vögel auf dem Fensterbrett füttert, zum Beispiel Tauben, meldet sich bald der geliebte Mensch.
- Gelingt es einem Mädchen nach dem Hausbesuch des Pfarrers (in Polen „koleda“ genannt, zur Weihnachtszeit), sich als Erste auf den Stuhl zu setzen, auf dem der Priester gesessen hat, findet sie innerhalb eines Jahres einen Heiratskandidaten.
- Ist der rechte Zopf einer Frau dicker als der linke, heiratet sie einen Witwer.
- Fällt einem Paar eine Spinne von oben auf den Kopf, darf es auf eine gemeinsame Hochzeit hoffen.
Andreasorakel und Liebesaberglaube sind vor allem ein Stück Tradition und ein schöner Zeitvertreib – es lohnt sich, sie zu kennen, doch Herzensentscheidungen triffst du besser mit Gefühl und Verstand.
Aus dem Archiv unserer Esoterik-Magazine. Verfasst von Astrologen und Esoterik-Fachleuten, die mit unserer Redaktion zusammenarbeiten; für HOROSCOP.SPACE überarbeitet und übersetzt. © Alle Rechte vorbehalten.
