Manche zählen die Wahrsagerei zur Magie. In Wirklichkeit handelt es sich um getrennte Bereiche. Magische Praktiken und Wahrsagerei beruhen zwar auf derselben Grundlage – okkulten Überzeugungen über das Wesen der Welt –, doch Magier und Wahrsager verfolgen unterschiedliche Ziele.
Gemeinsame Quelle, unterschiedliche Ziele
In der Magie strebt man danach, übernatürliche, geheimnisvolle Kräfte zu beherrschen, um sie für eigene Zwecke zu nutzen. Wer dagegen die Wahrsagekunst ausübt, verzichtet auf magisches Handeln. Er möchte lediglich die Absichten der Mächte durchschauen, die seiner Ansicht nach das Schicksal lenken, sich nach ihnen richten und – soweit möglich – die Zukunft durch Ratschläge verändern.
Manche Magier versuchen sich ebenfalls im Wahrsagen und verbinden Magie mit Wahrsagerei. Beide berufen sich auf übernatürliche Kräfte und Mechanismen.
Astrologie und Orakel
Eine der bekanntesten und am weitesten verzweigten Formen der Wahrsagerei, die Astrologie, deutet die Zukunft aus den Bewegungen der Planeten. Für die Sterndeuter früherer Zeiten waren die Bewegungen der Himmelskörper Ausdruck geheimer Kräfte, die hinter ihnen wirken und von denen alles auf der Erde abhängt. Die Menschen glaubten seit jeher, dass Erscheinungen am Himmel und in der Natur durch ihre Zeichen die Zukunft des Menschen verkünden.
Wahrsagen bedeutet, dass ein begabter Mensch mithilfe besonderer Werkzeuge oder übernatürlicher Methoden versucht, Einblick in das Wesen der Welt und ihre Zukunft zu gewinnen. Es gibt auch eine Form der Wahrsagerei, die auf Orakeln beruht. Die Institution des Orakels ist seit Jahrtausenden bekannt und stützt sich auf das Hellsehen.
Hellseher und ihre Prophezeiungen
Auch heute gibt es viele Hellseher, doch ein beträchtlicher Teil derer, die sich damit beschäftigen, nimmt es leider mit der Wahrheit nicht so genau. Manche sind in ihren Aussagen kühner und wollen ein Ereignis, etwa das Ende der Welt, auf den Tag und die Stunde genau vorhersagen. In den meisten Fällen finden solche Prophezeiungen keine Entsprechung in der Wirklichkeit. Die Gewissheit der Hellseher rührt wahrscheinlich von ihrem Selbstvertrauen und ihrem Glauben an das, was sie tun. Doch nicht immer haben sie Visionen, die aus dem Überbewusstsein stammen – manchmal irren sie, weil sie sich von ihrem Unterbewusstsein leiten lassen.
Wahrsagerei und Magie heute
Die Wahrsagerei wird heute mit größerer Begeisterung aufgenommen als die Magie. Besonders die Kartomantie, also das Kartenlegen, hat zahllose Anhänger. Die Magie genießt weniger Ansehen, weil viele sie nur als Mittel zur Bereicherung betrachten und keine echten Adepten dieser Kunst sind. Außerdem lässt sich kaum überprüfen, ob ein Zauber, ein Bann oder ein Fluch tatsächlich gewirkt hat oder ob sich die Ereignisse einfach so entwickelt haben, dass die Wünsche in Erfüllung gingen.
Gehen Weissagungen in Erfüllung?
Der Tradition nach kann man eigentlich aus allem wahrsagen, denn alles ist ein Zeichen, das eine metaphysische Kraft in sich trägt. Es gibt viele Methoden, zu den beliebtesten gehören Karten, Astrologie, das I Ging oder das Kaffeesatzlesen. Sie unterscheiden sich in ihrer Deutung: Manche liefern sehr detaillierte Antworten, andere antworten nur mit Ja oder Nein.
Man muss jedoch bedenken, dass Weissagungen nicht unfehlbar sind. Ob sie sich erfüllen, hängt von vielen Faktoren ab.
Die Haltung des Wahrsagers
Der erste Faktor ist die Haltung der Person, die wahrsagt. Glaubt sie fest an die Kraft des Überbewusstseins und deutet sie die Karten konzentriert, hat sie die Chance, die Zukunft treffend zu lesen. Schlechter ist es, wenn jemand die Karten mechanisch auslegt und sich kaum in ihre Bedeutung vertieft.
Der Erfolg einer Deutung hängt auch vom Tag ab, an dem sie stattfindet. Ist die wahrsagende Person müde, hat eigene Probleme und kann sich beim Legen der Karten nicht davon lösen, ist die Botschaft unvollständig und die Deutung mitunter falsch.
Die Einstellung des Fragenden
Ein weiterer Faktor ist die Einstellung des Fragenden. Beim Wahrsagen geht es nicht darum, eine schöne Zukunft vorherzusagen, sondern die Wahrheit zu enthüllen. Oft wollen Fragende nette Worte hören, und wenn sie etwas ganz anderes zu hören bekommen, lehnen sie sich auf und geben den Karten die Schuld an ihren Misserfolgen. Raten die Karten jemandem, einen bestimmten Weg einzuschlagen, und er tut es nicht oder unternimmt gar nichts, ändert sich sein Schicksal nicht – und das ist nicht die Schuld der Karten, sondern seine eigene Entscheidung.
Wünsche statt Intuition
Manchmal spiegeln Weissagungen – vor allem ausführliche und detaillierte – nur unsere unbewusste Wunschwelt wider und keine echte Botschaft der Intuition. Dann erfüllt sich die Weissagung nicht, weil sie hauptsächlich von Träumen spricht, und die sind oft unrealistisch oder erfordern Anstrengung, um sie zu verwirklichen. Entsteht eine Weissagung dagegen in einem Zustand der Konzentration, der den Zugang zum Überbewusstsein ermöglicht, hat sie die Chance, sich zu erfüllen.
Man sollte allerdings verstehen, dass die Karten die wahrscheinlichsten Wege zeigen, die vor uns liegen und die wir wählen können – die wir aber nicht unbedingt gehen. Oft warnen sie vor unangenehmen Ereignissen, sprechen von dem, was nicht in unserer Hand liegt, und von dem, worauf wir achten sollten.
Allgemeine Weissagungen und Horoskope
Es gibt Wahrsager, die sehr allgemein sprechen – und eine solche Weissagung „erfüllt sich“ in der Regel. Meist nimmt man sie aber nicht allzu ernst. Ähnlich ist es mit massenhaft verfassten Horoskopen. In der Astrologie gilt erst ein individuelles Horoskop als Botschaft, die wirklich zutreffen kann.
Aus dem Archiv unserer Esoterik-Magazine. Verfasst von Astrologen und Esoterik-Fachleuten, die mit unserer Redaktion zusammenarbeiten; für HOROSCOP.SPACE überarbeitet und übersetzt. © Alle Rechte vorbehalten.
